Marktstraße & Harrachgasse 2018
Hohenems | Österreich

Bauherrenpreis der ZV Österreich 2023 | Preisträger

Bauaufgabe: Revitalisierung des Stadtkerns

Bauherrschaft: Schadenbauer | Hohenems
Architektur: bernardo bader architekten
Mitarbeit: J. Mallaun (PL), Ph. Schatzmann
Auftrag: Architekturplanung

Bauzeit: 2014 – 2018
Nutzfläche: 1.685 m² oberirdisch
Bauleitung: exakt büro für bauwesen | Röthis
Statik: Mader + Flatz Baustatik ZT | Götzis
Fotos: Darko Todorovic; Bernardo Bader
Struktur: Massivbau, einschaliges Mauerwerk ohne Dämmebene

 

Revitalisierung der Altstadt Hohenems

Wie viele andere historische Stadtkerne verwaiste auch der von Hohenems seit den 1970er-Jahren zunehmend.
Die Wohnungen entsprachen dem modernen Standard längst nicht mehr, die Laster donnerten an ihren Fenstern vorbei, was die zunehmend entnervten Bewohner in die neu errichteten Wohnanlagen am Stadtrand oder in die Einfamilienhausidylle auf der grünen Wiese emigrieren ließ. Diesem Exodus folgte ein Sterben der kleinen Geschäfte und Gewerbebetriebe, mit der Konsequenz, dass die teilweise auf die Barockzeit zurückgehenden Häuser immer mehr verfielen. Eine Entwicklung, die auch die Unterschutzstellung der Fassaden durch das Bundesdenkmalamt nicht aufhalten konnte. Ein privater Investor, der Projektentwickler Lacha & Partner, schaffte es sukzessive, diese fatale Entwicklung zu stoppen bzw. umzukehren. Nach der liebevollen Revitalisierung des Jüdischen Viertels und des Beck-Areals kamen nun der nördliche Teil der Marktstraße und die Harrachgasse als Verbindung zum Jüdischen Viertel an die Reihe.

Mit Bernardo Bader hat Markus Schadenbauer einen Architekten mit dem entsprechenden Gespür für diese sensible Bauaufgabe gefunden. Dem es nicht darum gegangen ist, spektakulär Neues zu erfinden, sondern das Bestehende zu sichern bzw. im Sinn von heute weiterzudenken. Im Eingang des Hauses Nr. 27 wurde etwa der grobe Natursteinboden genauso wie das wunderschöne Kreuzgratgewölbe aus der Entstehungszeit im frühen 17. Jahrhundert beibehalten, die steile hölzerne Stiege wurde neu gemacht. Die Dachstühle wurden teilweise neu ausgebaut, hofseitig wurden Loggien bzw. Balkone errichtet, was die Lebensqualität der Bewohner deutlich steigert. Ebenso wie das Jüdische Viertel ist auch die Marktgasse nun eine Begegnungszone, deren Vorteile von Einheimischen wie Besuchern immer mehr geschätzt werden.

Bei dem seit 2010 laufenden Projekt Marktstraße&Harrachgasse ging es in einer ersten Stufe um die Sanierung von fünf alten und anschließend um den Bau von zwei neuen Häusern. Sie bilden ein höchst heterogenes Ensemble, manche stehen mit dem Giebel, manche mit der Traufe zur Straße, unterschiedlichen Höhen und Fassaden-Texturen. Die des Hauses Nr. 31 ist reizvoll floral strukturiert, andere sind rau oder ganz glatt verputzt. In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt in einer eleganten, schön aufeinander abgestimmten Farbigkeit anstatt der bisher knallig grellen.