Rathaus Kitzbühel 2020
Kitzbühel | AT

Bauaufgabe: Rathaus Kitzbühel
Auftrag: Wettbewerb 2020 | 1. Preis
Mitarbeit: Matthias Kastl (PL), Günther Benigni
Kubatur: 3.612 m³
Tragwerksplanung: merz kley partner | Dornbirn

Beurteilung durch das Preisgericht im September 2020:

Das Projekt rückt vom Bestand ab und setzt sich als Solitär präzise vor die Silhouette der bestehenden
Altstadt. Der horizontale Abschluss unterstützt das allseitig gleichwertige Erscheinungsbild.
Der Baukörper reagiert adäquat auf die städtebaulich anspruchsvolle Situation mit Sichtbezügen
aus unterschiedlichen Richtungen. Sei es von Westen von unten kommend über die Schulgasse
oder von Süden über die Franz-Reisch-Straße oder vom Platz vor dem bestehenden Rathaus
1. Das Volumen sitzt so auf dem Platz, dass der öffentliche Raum sich um das gesamte Gebäude
zieht und eine vielseitige und differenzierte Wegeführung zulässt, wie es für die Altstadt
von Kitzbühel charakteristisch ist. Die in der Überarbeitung reduzierte Gebäudehöhe tut dem Gebäude im Verhältnis zur Umgebungsbebauung gut. Es stellt sich die Frage, ob zu Gunsten der Proportion der Baukörper auch in
der Breite reduziert werden sollte.

Der Eingang im Eckbereich sitzt selbstverständlich und ist angenehm proportioniert. Die in der
Überarbeitung im Erdgeschoss großzügiger und offener gestaltete Eingangsfassade ist eine Verbesserung.
Die innere Erschließung ist angemessen großzügig, insbesondere das Treppenhaus
passt zu einem öffentlichen Verwaltungsgebäude und verspricht eine schöne räumliche Qualität.
Die Funktionen sind sinnvoll angeordnet, die einzelnen Räume angenehm proportioniert und in
ihrem Zuschnitt neutral gehalten, was für die Zukunft eine gewisse Flexibilität in der Nutzung zulässt.
Das vorgeschlagene Projekt besticht durch seine zurückhaltende Gestaltung. Es greift klassische
Entwurfselemente auf, wie regelmäßige Fenstergrößen und Fenstereinteilungen, Sockelgeschoss
und Dachabschluss sowie differenzierte Raumhöhen, vom erhöhten Erdgeschoss über
Amt der Tiroler Landesregierung, Innrain 1, 6020 Innsbruck | www.tirol.gv.at/dorferneuerung
Regelgeschosse bis zu erhöhtem Dachgeschoss unter großzügigem Dach. Das in der Überarbeitung
vorgeschlagene Walmdach verspricht gegenüber dem Pyramidendach Vorteile für die Innenraumgestaltung.
Das kompakte Gebäudevolumen mit massiven Decken und massiven tragenden Außenwänden
ist insgesamt eine wirtschaftliche Lösung. Die zweischalige Konstruktion der Außenhülle mit
tragender und dämmender Schale ist zukunftweisend. Sie ist bauphysikalisch sehr gut und ökologisch
sinnvoll. Zusammen mit der vorgeschlagenen Materialisierung verspricht diese ein sehr gutes
Innenraumklima und im Vergleich zu konventionellen Konstruktionen geringere Betriebskosten.

Fachjuroren: DI Rainer Weitschies, DI Werner Burtscher, DI Stanislaus Unterberger, DI Martin Joas