Atelier Klostergasse 2019
Bregenz | AT

Bauaufgabe: Atelier und Wohngebäude
Auftrag: direkt
Architektur: bernardo bader architekten
Mitarbeit: J. Ambrosig (PL), J. Mallaun

Grundstücksfläche: 660  m²
Nutzfläche: 675 m²
Bauzeit: 2017-2019
Struktur: Stahlbetonbau in Sichtbeton; Innenschale: gedämmte Holzständerkonstruktion
Energie: 33 kWh/m²a

Statik: Mader Flatz
Bauphysik: Lothar Künz
Bauleitung: Bernardo Bader
Fotos: Adolf Bereuter

Ein starkes Haus

Nachdem wir schon über fünfzehn Jahre in einer alten Werkstätte in Dornbirn gearbeitet hatten, überwand ich meinen inneren Widerstand und baute ein Atelier für mich und meine Mitarbeiter.  Bei Stadtspaziergängen durch Bregenz ist mir dabei in der Nähe des Bahnhofs nicht nur einmal eine kleine verwahrloste Parzelle mit einer nicht mehr betriebenen Trafostation aufgefallen.  Durch etwas Glück war die kleine innerstädtische Parzelle für uns zu erwerben; vielleicht auch deshalb, da sie für den einen oder anderen Investor ob der Kleinheit und des nicht zu realisierenden unterirdischen Parkens nicht rentabel zu bespielen war.

Entstanden ist was Platz hatte. Wer sich an das lange verwahrloste Ecke mit dem Elektrizitätsgebäude erinnert, wird seinen Augen kaum trauen. Beinahe unwirklich steht ein sehr markantes, längliches und dunkles Gebilde hart an der Klostergasse, als habe es sich aus dem Reich der reinen Geometrie in die unvollkommene Welt verirrt. Die überproportionalen Bauten von Bezirkshauptmannschaft und Landespolizeidirektion im Vordergrund und die Wohnbauten der sechziger und siebziger Jahre ringsum lassen den Kontrast noch deutlicher hervortreten.

Die schlanke Struktur besteht aus vier übereinander gestapelten Geschossen. Mit exakt gleicher räumlicher Disposition der Geschosse, jedoch mit unterschiedlicher Verteilung der großformatigen Öffnungen, organisieren sich die Räume auf die gesamte Gebäudehöhe und profitieren von den unterschiedlichen Ausblicken und Sonnenständen. Jede Einheit ist so ausgelegt, dass dort sowohl gearbeitet als auch gewohnt werden kann. Die flexible Nutzbarkeit wird dem Haus langfristigen Wert geben.

Das Gebäude ist eine durchgehende Betonkonstruktion, bei der Fußböden, Decken, Wände, Fassaden und Dach aus ein und demselben Material bestehen. Der dunkel gefärbte Beton spielt dabei sein plastisches und atmosphärisches Potential durchgehend aus. Handwerklich geschalt und roh belassen, entstehen lebendige Oberflächen, die den Arbeitsprozess abbilden und die ursprüngliche Kraft des Materials zum Ausdruck bringen.

Ergänzt werden die betonierten Raumgefäße von naturgekalktem Fichtenholz und Einbauten aus rohem Stahl.  Die Oberflächenstrukturen und deren Haptik verleihen den einzelnen Atelier- und Wohnräumen eine eigene Atmosphäre. Stimmungsvoll bis ins Detail und von anregender Radikalität fasziniert uns der Bau nachhaltig. All das soll unser architektonisches Denken veranschaulichen und dem Gebäude ein Wesen geben.

Bernardo Bader, November 2019