Kindergarten am Entenbach 2017
Lauterach | Österreich

Big See Architecture Award 2018

Bauaufgabe: Neubau 3-gruppiger Kindergarten mit Erweiterungsmöglichkeit
BauherrIn: Marktgemeinde Lauterach

Architektur: Bernardo Bader Architekten
Foto: Adolf Bereuter | Dornbirn
Mitarbeit: Thomas Prattes (PL) Josef Mallaun (PL)
Bauleitung: Thomas Marte
Statik: Merz Kley Partner
Farbkonzept: Monika Heiss
Nutzfläche: 960 m²
Struktur: Holzelementbau
Energiekonzept: Passivhausstandard
Nachhaltiges Bauen in der Gemeinde, Kommunaler Gebäudeausweis

Häuser für Kinder

Lauterach ist eine der am stärksten wachsenden Gemeinden Vorarlbergs. Der Bestand eines kleinen Kindergartens an der Grenze zum Landschaftsschutzgebiet des Lauteracher Rieds soll aus wirtschaftlichen Gründen noch ein paar Jahre dienen. Das Konzept und die neue Setzung sollen so angelegt sein, dass zukünftige Entwicklungen nicht blockiert werden. Der Flucht des Bestandes folgend, wurde um einen 65 Meter langen und 20 Meter breiten Holzriegel erweitert. Gegliedert von niedrigeren Einschnitten werden in der Bauplastik vier Teile lesbar. Während der größte, dem Altbau zugewandte Abschnitt gemeinschaftlich genutzte Funktionen wie den Speisesaal, eine Bibliothek und einen multifunktionalen Bewegungsraum aufnimmt, ist in den drei anderen je eine Gruppe untergebracht. Jedes dieser Häuser verfügt entlang der Fassade der westlichen Ankunfts- und Spielgasse über einen tief in der Leibung sitzenden und somit wettergeschützten Eingang, Die separaten Eingänge in den Farben Rosa, Blau und Gelb markieren die Zugehörigkeit und ermöglichen einen störungsarmen und unabhängigen Betrieb. Insgesamt 65 Kinder zwischen 15 Monaten und vier Jahren finden in den lichtdurchfluteten Räumen des klar strukturierten Gebäudes einen facettenreichen Ort zur Entfaltung. In den Gruppenräumen bieten Emporen die Möglichkeit zum Rückzug und über Schiebetüren in der Ostfassade gelangen die Kleinen zunächst auf eine Loggia, die als wettergeschützter Bereich im Freien fungiert, bevor es weiter in den Garten geht. Die kurzen Eingangsflure kreuzen einen Mittelgang, der über die gesamte Gebäudelänge hinweg zur großzügigen Bewegungsfläche für Alle wird. Anstelle massiver Wandscheiben teilt durchgängig Glas die Räume beider außenliegender Raumschichten vom zentralen Bereich ab. Die schimmernden, lichtdurchlässigen Wände trennen die Räume zwar akustisch, ermöglichen aber durchgängige optische Verbindungen. Tageslicht strömt bis tief ins Innere des Gebäudes und auch die Bewegungen der Kinder zeichnen sich direkt oder schemenhaft durch das Glas ab. Allseitig belichtet und mit Raumhöhen von fünf Metern wirken sowohl Gruppen– und Gemeinschaftsbereiche eher als Atelierräume denn als standardisierte Kindergarten-Gruppen. Materialien wie geschliffener Betonterrazzo, Glase und weiches Holz verstärken diesen Eindruck.

Ein pavillonartiger Baukörper mit einer Offenheit nach Außen und Innen schafft eine vielfältige und unverwechselbare Welt für Kinder. Eine Welt, die das Potential des Ortes mit den Anforderungen an eine zeitgemäße Kinderpädagogik sinnreich zu verbinden vermag.