Haus Bolgenach 2021
Hittisau | AT

Holzbaupreis 2025 | Sonderpreis

Bauaufgabe: Einfamilienhaus
Auftrag:
direkt
Architektur:
 bernardo bader architekten
Mitarbeit: C. Wurz (PL)

Grundstücksfläche: 11.294 m²
Nutzfläche: 251 m²
Bauzeit: 2020-2021
Struktur: Holzelementbau

Bauleitung: Jürgen Haller, Mellau
Holzbau: Holzbau Hirschbühl, Riefensberg

Fotographie: Gustav Willeit

 

Das Haus des Tischlers.

Gute zweihundert Jahre hatte das Elternhaus des Bauherrn hoch über dem Dorf überdauert, nun war es definitiv nicht mehr zu retten. Genau wo das alte Haus gestanden war, steht nun ein neues, jedoch drei Meter kürzeres Gebäude. Ganz selbstverständlich steht es nun da – wie eine Scheune auf einer Wiese – in ländlicher Umgebung, ein holzverkleidetes Rechteck mit Satteldach.

Denn das „Bregenzerwälder Haus“ hat seit jeher großes Potential, allein schon aus der Dimension der Häuser, aus ihrer Vielfältigkeit und wie sie genutzt worden sind. Aspekte des Wohnens, Arbeitens und Lagerns, alles fand in einem Volumen unter einem gemeinsamen Dach statt. Eine Form, ein Körper, rechteckig, ohne Ausbuchtungen und Einschnu?rungen: ein präziser kultureller Eingriff in einen Naturraum, dem mit Achtung und Angemessenheit begegnet wird.

Auch das Haus Bolgenach darf dieser Tradition folgend mit der Konzentration der Form, seinen Ausmaßen und seiner Geschlossenheit auffallen. Anstatt einer Unterkellerung, die sowohl Aushub als Füllbeton erfordert, wird ein wahrlich großer Dachraum geboten. So tritt nun der neue Bau mit dem Geist des alten Hauses in einen Dialog mit der vorhandenen Topografie. Man betritt es längsseitig im Norden, wo der Holzschirm (Fassade aus vertikalen sägerauen Fichtenlatten?) komplett geschlossen wirkt. Einzig der Eingang ist in einer kleinen Nische eingeschnitten: eine äußerst minimierte, verknappte Form des ortsüblichen Schopfes, gerade groß genug, um die Schuhe abzustreifen und witterungsgeschützt vor der Tür zu warten.

Das Herz des Hauses ist die Wohnküche: Sie erstreckt sich von Norden nach Süden über die gesamte Breite, der freistehende Herdblock und die dahinterliegende Kastenwand fungieren als Raumteiler zwischen dem Wohnen im hinteren Bereich und dem familiären Esstisch an der Sonnenterrasse im Süden, die – wie ein traditioneller Schopf – auf der sonnigen Traufseite fast zwei Meter tief windgeschützt eingeschnitten ist. Innen ist das ganze Haus aus Weißtanne, die Böden sägerau, die Wände geschliffen, seidig schimmernd. Der Bauherr ist Tischler, er täferte alles selbst. Im offenen Raum unterm Dach kommt die Holzkonstruktion hervorragend zur Geltung. Dort steht auch die kleine Werkstatt des Bauherrn.

Die universellen Zusammenhänge zwischen Natur, Material, Region, Handwerk bestimmen die Architektur des Hauses. Davon beziehen wir, was der Architekturtheoretiker Friedrich Achleitner alltagsästhetische Gelassenheit nennt. Für uns ist das Wichtigste, dass ein Mehrwert entstanden ist.

Prof. Bernardo Bader, März 2025