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Baumeister B2
Baumeister – Zeitschrift für Architektur 103. Jahrgang Februar 2006 von Wolfgang Bachmann
Heitere Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande Erweiterung und Umbau eines Ferienhauses in Krumbach
Architekturinteressierte Autofahrer sind eine Gefahr in Vorarlberg. Für sie gibt es soviel zu sehen, dass sie nur mit Mühe den Blick auf die Strasse lenken können. Dieses kleine Ferienhaus steht etwas abseits der steilen Bergstrassen des Rheintals, fast schon an der grünen Grenze, wo die Hänge sich dem deutschen Allgäu entgegenfalten. Umso entspannter mag man in dem kürzlich erweiterten Chalet den Urlaub verbringen.
Im Grunde genommen schaut das Häuschen aus wie die abstrakte Wiedergabe der Urhütte. Weniger kann man gar nicht bieten, um noch den traditionellen Begriff "Haus" verwenden zu können. Etwas erhaben über dem scheinbar unberührten Baugrund (der indes vorsätzlich modelliert wurde) steht die mit Lärchenlatten schraffierte Fassade, die mit einem flachen Dachgiebel ohne Überstand endet. Auf der Südwest-Seite ist wie bei einem Steckspiel ein geschoßhoher Einschnitt als Terrasse herausgenommen. An der Traufseite reihen sich schlanke Stahlstützen, damit ist die Lastabtragung erklärt, aber schon die Dachrinne ist versteckt und das Fallrohr in der Fassade verborgen: Indizien, dass es sich um keinen Zimmermannsstandard handelt, sondern um ein in die Räson der Moderne übersetztes ländliches Holzhaus. Dieser städtischen Attitüde folgt der Entwurf; dazu gehören die aus einer feinen Nut an die Terrassenkante elektrisch herabfahrenden Markisen und natürlich die Panorama-Schiebetüren, zwischen denen feststehende Scheibenfelder scheinbar rahmenlos in Decke und Boden verschwinden. Ein glattes Glasoberlicht erhellt den Küchentresen, dessen Höhe und Tiefe das Passepartout des anschließenden Kaminofens aufnimmt. Planung ordnet.
So wollen die Bauherren wohnen, zwei Familien, die hier aus der Stadt Zuflucht suchen. Ein Energiesparhaus sähe anders aus, man schätzt hier eher die Nachhaltigkeit der Erholung. Dazu zählt auch der Komfort, rechtzeitig den Pellets-Brenner für die Fußbodenheizung per Handy einzuschalten, während der Kaminofen später für knisternde Atmosphäre sorgt. Dann lebt man praktisch in der Landschaft, die von drei Seiten die Kulisse für Kochen-Essen-Wohnen bildet. Keine heimelige Zirbelstube, in die man sich vor der rauen Natur zurückzieht, sondern ein offener, dennoch geschützter Raum, von dem aus man das Landleben souverän genießen kann. Vor allem, wenn man die Glaswände auffährt und damit die Wohnfläche beträchtlich vergrößert.
Diesem L- förmigen Raum, der ohne tragende Wände von zehn Meter langen Dachbindern überspannt wird, entspricht noch einmal spiegelbildlich die gleiche Fläche für zwei Bäder und drei kleine Schlafzimmer. Diese Stuben zeigen noch die Nut- und Feder-Schalung des alten Fertigteilchalets, das von dem neuen Haus umschlossen ist. Der Übergang im Flur ist fast homöopathisch ausgeführt. Der Rahmen der neuen hellen Tür ist den vorhandenen Leibungen nachgebaut, während das Lärchentürblatt mit dem schlanken Edelstahldrücker schon zur neuen Welt des Umbaus gehört. Tatsächlich wurde die Fläche (ohne Terrasse) nur um ein Drittel vergrößert, so wie es die Bauordnung vorschreibt. Der Gewinn an Architektur lässt sich kaum in Bruchzahlen ausdrücken.
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